Fehler des Steuerberaters: Wann besteht Anspruch auf Schadensersatz?

Steuerberater Fehler Schadensersatz

Wenn dein Steuerberater einen Fehler gemacht hat, der dir einen finanziellen Schaden verursacht hat, stellst du dir unweigerlich die Frage, ob und unter welchen Umständen du Anspruch auf Schadensersatz hast. Die Komplexität des Steuerrechts und die Sorgfaltspflichten eines Steuerberaters sind hier entscheidend für deine rechtliche Situation.

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Grundlagen des Schadensersatzanspruchs bei Steuerberaterfehlern

Ein Anspruch auf Schadensersatz gegen deinen Steuerberater setzt grundsätzlich voraus, dass dieser seine Pflichten verletzt hat und dir daraus ein konkreter Schaden entstanden ist. Die Rechtsgrundlage hierfür findet sich im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB), insbesondere in den Paragrafen zu culpa in contrahendo (culpa vor oder bei Vertragsschluss), Vertragsverletzung und unerlaubter Handlung. Dein Steuerberater handelt im Rahmen eines Behandlungsvertrags mit dir. Aus diesem Vertrag ergeben sich bestimmte Pflichten, die er zu erfüllen hat. Dazu gehört insbesondere die Pflicht zur sorgfältigen und fachkundigen Beratung und Vertretung in steuerlichen Angelegenheiten.

Pflichtverletzung durch den Steuerberater

Eine Pflichtverletzung liegt vor, wenn der Steuerberater gegen seine berufsrechtlichen und vertraglichen Pflichten verstößt. Dies kann auf verschiedenen Ebenen geschehen:

  • Fehlerhafte Beratung: Dies ist eine der häufigsten Formen der Pflichtverletzung. Hierzu zählen falsche steuerliche Auskünfte, unvollständige Informationen oder die Unterlassung wichtiger Hinweise, die zu steuerlichen Nachteilen für dich führen.
  • Fehlerhafte Erstellung von Steuererklärungen: Ungenaue Angaben, vergessene Belege, falsche steuerliche Einordnungen von Sachverhalten oder die Versäumung von Fristen bei der Einreichung deiner Steuererklärungen können erhebliche finanzielle Folgen haben.
  • Verletzung von Aufklärungs- und Hinweispflichten: Dein Steuerberater ist verpflichtet, dich über alle steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten, Risiken und notwendigen Schritte zu informieren. Unterlässt er dies, kann dies eine Pflichtverletzung darstellen.
  • Fristversäumnisse: Das Versäumen von gesetzlichen Fristen, wie z.B. für Einspruch oder Klage, kann dazu führen, dass dir Rechtsmittel verloren gehen und du steuerliche Nachteile erleidest.
  • Verlust oder Beschädigung von Unterlagen: Wenn dein Steuerberater deine wertvollen Steuerunterlagen verliert oder beschädigt, ist dies ebenfalls eine Verletzung seiner Sorgfaltspflichten.

Kausalität zwischen Pflichtverletzung und Schaden

Entscheidend für einen Schadensersatzanspruch ist, dass die Pflichtverletzung des Steuerberaters ursächlich für deinen Schaden war. Das bedeutet, du musst nachweisen können, dass der Schaden gerade wegen des Fehlers des Steuerberaters entstanden ist und nicht aus anderen Gründen. Man spricht hier vom sogenannten „conditio-sine-qua-non“-Prinzip: Hätte der Steuerberater seine Pflicht nicht verletzt, wäre der Schaden nicht eingetreten.

Verschulden des Steuerberaters

In der Regel musst du nachweisen, dass deinem Steuerberater ein Verschulden vorliegt. Das Verschulden wird in der Regel durch Fahrlässigkeit angenommen. Fahrlässig handelt, wer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht lässt. Dies bedeutet, dass er nicht die Sorgfalt angewendet hat, die von einem gewissenhaften Steuerberater in der konkreten Situation erwartet werden kann. Bei besonders groben Fehlern kann dem Steuerberater auch Vorsatz unterstellt werden.

Umfang des Schadens

Der dir entstandene Schaden muss bezifferbar sein. Schadensersatz soll dich so stellen, wie du stehen würdest, wenn der Fehler nicht passiert wäre. Dies kann umfassen:

  • Nachzahlungen an das Finanzamt: Wenn der Fehler des Steuerberaters zu einer höheren Steuernachzahlung geführt hat, kannst du diese Nachzahlung, zuzüglich eventuell angefallener Zinsen, als Schaden geltend machen.
  • Versäumte Steuerrückerstattungen: Wenn durch den Fehler eine zustehende Steuerrückerstattung nicht oder nur teilweise realisiert werden konnte.
  • Säumniszuschläge und Zinsen: Wenn durch den Fehler des Steuerberaters Säumniszuschläge oder Zinsen an das Finanzamt zu zahlen waren.
  • Kosten für externen Sachverstand: Wenn du aufgrund des Fehlers gezwungen warst, einen anderen Experten hinzuzuziehen, um den Schaden zu beheben.

Wann der Anspruch auf Schadensersatz durchsetzbar ist

Die Durchsetzbarkeit deines Anspruchs hängt von mehreren Faktoren ab. Neben den bereits genannten Voraussetzungen der Pflichtverletzung, Kausalität und des Verschuldens spielen auch:

Die Sorgfaltspflicht eines Steuerberaters

Steuerberater sind verpflichtet, ihre Mandanten nach bestem Wissen und Gewissen zu beraten und zu vertreten. Dies beinhaltet die Beachtung aktueller Gesetze, Rechtsprechung und steuerlicher Verwaltungsanweisungen. Sie müssen sich stets fortbilden, um auf dem neuesten Stand zu sein. Allerdings bedeutet dies nicht, dass ein Steuerberater für jeden nur denkbaren Fehler haftbar gemacht werden kann. Eine Haftung für „unvermeidbare“ Fehler, die auch einem sorgfältig arbeitenden Berater unterlaufen könnten, ist in der Regel ausgeschlossen.

Die Rolle der Rechtsprechung

Die Gerichte entscheiden im Einzelfall über die Haftung von Steuerberatern. Dabei wird stets die konkrete Situation, die Komplexität des Sachverhalts und das Verhalten beider Parteien (Mandant und Steuerberater) bewertet. Wichtige Urteile haben die Grenzen der Haftung immer wieder neu definiert.

Die Bedeutung von Fristen

Auch für Schadensersatzansprüche gibt es Verjährungsfristen. Diese beginnen in der Regel mit dem Zeitpunkt, in dem du Kenntnis von dem Fehler und dem daraus resultierenden Schaden erlangt hast oder ohne grobe Fahrlässigkeit hättest erlangen müssen. Die Regelverjährungsfrist im deutschen Recht beträgt drei Jahre.

Versicherung des Steuerberaters

Berufsrechtlich sind Steuerberater verpflichtet, eine Berufshaftpflichtversicherung abzuschließen. Diese Versicherung deckt Schäden ab, die durch Fehler bei der Berufsausübung entstehen. Im Schadensfall ist es oft die Versicherung des Steuerberaters, die den entstandenen Schaden reguliert.

Typische Fehler, die zu Schadensersatzansprüchen führen können

Es gibt bestimmte Konstellationen, in denen Schadensersatzansprüche gegenüber Steuerberatern häufiger auftreten. Dazu gehören:

Fehler bei der Umsatzsteuer

Besonders im Bereich der Umsatzsteuer können Fehler schnell zu erheblichen Nachzahlungen führen. Dazu zählen:

  • Falsche Einordnung von Umsätzen (z.B. umsatzsteuerpflichtig statt steuerfrei oder umgekehrt).
  • Fehler bei der Umsatzsteuer-Voranmeldung und Jahreserklärung.
  • Nicht geltend machen von Vorsteuerabzügen.
  • Unterlassung der korrekten Rechnungsstellung.

Fehler bei der Einkommensteuer

Auch bei der Einkommensteuer können Fehler weitreichende Folgen haben:

  • Nichtberücksichtigung von abzugsfähigen Ausgaben (Werbungskosten, Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen).
  • Fehler bei der Bewertung von Kapitalerträgen.
  • Falsche oder unterlassene Anrechnung von ausländischen Steuern.
  • Fehler bei der Ermittlung von Gewinnen aus Vermietung und Verpachtung oder selbständiger Tätigkeit.

Fehler bei der Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer

Für Unternehmen sind insbesondere folgende Fehler kritisch:

  • Fehler bei der Ermittlung des zu versteuernden Einkommens.
  • Nichtberücksichtigung von steuerlichen Vergünstigungen oder Gestaltungsmöglichkeiten.
  • Fehler bei der Ermittlung der Bemessungsgrundlage für die Gewerbesteuer.

Fehler bei der Schenkung- und Erbschaftsteuer

Auch im Bereich der Nachlassplanung und Schenkungen können Beratungsfehler zu erheblichen finanziellen Nachteilen führen:

  • Fehlerhafte Bewertung von Vermögensgegenständen.
  • Nichtberücksichtigung von Freibeträgen oder steuerlichen Vergünstigungen.
  • Fehler bei der Abgabe der Erklärungen.

Verzögerte oder fehlerhafte Kommunikation

Manchmal sind es nicht die fachlichen Fehler, sondern die mangelnde oder verspätete Kommunikation, die zu Problemen führt. Wenn dein Steuerberater wichtige Informationen nicht rechtzeitig an dich weitergibt oder du auf Rückfragen keine zeitnahen Antworten erhältst, kann dies indirekt zu finanziellen Nachteilen führen, z.B. durch verpasste Fristen oder versäumte Gestaltungsmöglichkeiten.

Wann du handeln solltest: Erste Schritte im Verdachtsfall

Wenn du den Verdacht hast, dass dein Steuerberater einen Fehler gemacht hat, der dir finanziellen Schaden verursacht hat, ist schnelles Handeln ratsam.

Schritt 1: Dokumentation sichern

Sammle alle relevanten Unterlagen und Korrespondenz mit deinem Steuerberater. Dazu gehören:

  • Dein Beratungsvertrag.
  • Sämtliche Steuererklärungen und Bescheide, die du erhalten hast.
  • Die Korrespondenz mit deinem Steuerberater (E-Mails, Briefe).
  • Alle relevanten Belege und Nachweise.
  • Die Mitteilung des Finanzamts, die den Schaden offenbart.

Schritt 2: Klare Darstellung des Sachverhalts

Erstelle eine detaillierte und chronologische Aufstellung des Sachverhalts. Beschreibe genau, wann du den Steuerberater beauftragt hast, welche Beratung du erwartet hast, welchen Fehler du vermutest und welcher Schaden dir dadurch entstanden ist. Versuche, den Schaden so konkret wie möglich zu beziffern.

Schritt 3: Kontaktaufnahme mit dem Steuerberater

Tritt zunächst in direkten Kontakt mit deinem Steuerberater. Schildere ihm deinen Verdacht und bitte um eine Erklärung. Möglicherweise liegt ein Missverständnis vor, oder der Steuerberater erkennt den Fehler an und ist bereit, diesen zu korrigieren oder den Schaden zu regulieren.

Schritt 4: Einholen einer Zweitmeinung

Wenn die Klärung mit deinem Steuerberater nicht zu einer zufriedenstellenden Lösung führt, solltest du die Angelegenheit von einem anderen, unabhängigen Steuerberater oder einem auf Steuerrecht spezialisierten Rechtsanwalt prüfen lassen. Dieser kann beurteilen, ob tatsächlich ein Fehler vorliegt und ob ein Anspruch auf Schadensersatz besteht.

Schritt 5: Prüfung von Alternativen und rechtlichen Schritten

Wenn sich der Verdacht auf einen Fehler erhärtet und keine außergerichtliche Einigung erzielt werden kann, musst du entscheiden, ob du rechtliche Schritte einleiten möchtest. Dies kann die Beauftragung eines Rechtsanwalts beinhalten, der dann deine Ansprüche außergerichtlich oder gerichtlich durchsetzt.

Der Prozess der Schadensregulierung

Wenn ein Schadensersatzanspruch gegen deinen Steuerberater besteht, kann die Regulierung auf verschiedenen Wegen erfolgen:

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Außergerichtliche Einigung

In vielen Fällen kann eine außergerichtliche Einigung erzielt werden. Dein Rechtsvertreter oder du selbst verhandelt mit dem Steuerberater bzw. dessen Berufshaftpflichtversicherung. Ziel ist es, eine für beide Seiten akzeptable Lösung zu finden, die den entstandenen Schaden abdeckt.

Schlichtungsverfahren

Es gibt Berufsverbände von Steuerberatern, die Schlichtungsstellen unterhalten. Ein Schlichtungsverfahren kann eine kostengünstigere und schnellere Alternative zu einem Gerichtsverfahren darstellen.

Gerichtliches Verfahren

Wenn alle anderen Wege scheitern, bleibt dir die Möglichkeit, Klage vor Gericht einzureichen. Hierbei wird der Fall durch einen Richter entschieden, der auf Grundlage der vorgelegten Beweise und der Rechtslage ein Urteil fällt.

Häufige Irrtümer und Missverständnisse

Es gibt einige häufige Irrtümer, die im Zusammenhang mit Schadensersatzansprüchen gegen Steuerberater bestehen:

  • Jeder Fehler ist ein Haftungsfall: Nicht jeder Fehler eines Steuerberaters führt automatisch zu einem Schadensersatzanspruch. Die Hürden sind in der Regel hoch.
  • Die Verantwortung liegt immer beim Steuerberater: Auch du als Mandant hast eine Mitwirkungspflicht. Du bist verpflichtet, deinem Steuerberater alle notwendigen Informationen und Unterlagen vollständig und zeitnah zur Verfügung zu stellen.
  • Die Berufshaftpflichtversicherung zahlt immer: Die Versicherung prüft jeden Fall genau und zahlt nur, wenn die Voraussetzungen für einen Schadensersatzanspruch nachgewiesen sind.
  • Der Steuerberater haftet für alle Steuerrisiken: Der Steuerberater kann dich zwar über Risiken aufklären, aber er kann oder muss nicht jedes Risiko eliminieren.
Kategorie Beschreibung Relevanz für Schadensersatzanspruch
Pflichtverletzung Verstoß des Steuerberaters gegen seine vertraglichen oder gesetzlichen Sorgfaltspflichten. Grundvoraussetzung für jeden Anspruch.
Kausalität Nachweis, dass der Schaden durch die Pflichtverletzung entstanden ist. Der Schaden muss direkt auf den Fehler zurückzuführen sein.
Verschulden Nachweis, dass der Fehler auf Fahrlässigkeit oder Vorsatz des Steuerberaters beruht. In der Regel muss dem Berater eine Sorgfaltspflichtverletzung nachgewiesen werden.
Schaden Konkreter und bezifferbarer finanzieller Nachteil, der dir entstanden ist. Der Schaden muss quantifizierbar sein, um Ersatz verlangen zu können.
Mitwirkungspflicht des Mandanten Deine Obliegenheit, dem Steuerberater alle relevanten Informationen zukommen zu lassen. Kann bei Verletzung deine Ansprüche mindern oder ausschließen.

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FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Fehler des Steuerberaters: Wann besteht Anspruch auf Schadensersatz?

Was genau ist ein Fehler des Steuerberaters, der zu Schadensersatz führen kann?

Ein Fehler des Steuerberaters, der zu Schadensersatz führen kann, ist eine Verletzung seiner Sorgfaltspflichten. Dies kann eine falsche steuerliche Auskunft, eine fehlerhafte Erstellung von Steuererklärungen, Fristversäumnisse oder die Unterlassung wichtiger Hinweise sein, die dir nachweislich einen finanziellen Nachteil verursacht haben.

Muss ich immer beweisen, dass mein Steuerberater fahrlässig gehandelt hat?

Ja, in der Regel musst du beweisen, dass dein Steuerberater fahrlässig gehandelt hat, also die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen hat. Nur bei besonders groben Fehlern kann unter Umständen ein Verschulden vermutet werden.

Was passiert, wenn mein Steuerberater meine Unterlagen verliert?

Wenn dein Steuerberater deine Unterlagen verliert oder beschädigt, stellt dies eine klare Verletzung seiner Sorgfaltspflichten dar. Du hast in diesem Fall in der Regel Anspruch auf Ersatz des durch den Verlust entstandenen Schadens, insbesondere wenn dadurch steuerliche Nachteile entstehen.

Wie hoch kann der Schadensersatz ausfallen?

Der Schadensersatz soll dich so stellen, wie du stehen würdest, wenn der Fehler nicht passiert wäre. Das bedeutet, du kannst die Erstattung von Nachzahlungen an das Finanzamt, versäumten Rückerstattungen, angefallenen Zinsen und Säumniszuschlägen sowie gegebenenfalls Kosten für externe Hilfe geltend machen.

Was ist, wenn der Fehler meines Steuerberaters schon länger zurückliegt?

Auch für Schadensersatzansprüche gegen Steuerberater gelten Verjährungsfristen. Diese beginnen in der Regel, sobald du Kenntnis vom Fehler und dem daraus resultierenden Schaden erlangt hast oder hättest erlangen müssen. Die Regelverjährungsfrist beträgt drei Jahre.

Habe ich auch Anspruch auf Schadensersatz, wenn mein Steuerberater nur mündlich falsche Auskünfte gegeben hat?

Ja, auch mündliche falsche Auskünfte können eine Pflichtverletzung darstellen und zu einem Schadensersatzanspruch führen, sofern du nachweisen kannst, dass diese Auskunft erteilt wurde und dir daraus ein Schaden entstanden ist.

Was soll ich tun, wenn mein Steuerberater den Fehler zugibt?

Wenn dein Steuerberater den Fehler zugibt, versuche, eine schriftliche Bestätigung zu erhalten. Besprecht dann gemeinsam, wie der Schaden behoben werden kann. Oft wird eine außergerichtliche Einigung mit dem Steuerberater oder seiner Berufshaftpflichtversicherung angestrebt.

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